Weinregionen

Weinregionen

Chiles schönste Weingebiete

Ein Besuch darf bei keiner Reise versäumt werden.

Valle de Elqui & Limarí
Das gut 500 Kilometer von Santiago entfernte Elqui-Tal bildet die nördliche Grenze der chilenischen Weinregionen. Die klimatischen Bedingungen für den Traubenanbau sind hervorragend: heiß, gut durchlüftet und trocken fallen in diesem Tal nur 130 mm Niederschlag jährlich. Ein integriertes Bewässerungssystem (große Wasserbecken, die durch Kanäle miteinander verbunden sind) und die nährstoffreichen, schweren, wasserspeichernden Böden  ermöglichen die Ernte ausgereifter, süßer Trauben, aus denen vor allem der Pisco-Weinbrand hergestellt wird, das chilenische Nationalgetränk. Die am meisten angebauten Rebsorten sind Cabernet Sauvignon, Merlot, Carmenère und Chardonnay; einige Hektar werden auch von Syrah bestanden.Die Weingüter Falernia und Cavas del Valle stehen Besuchern offen. In Cavas del Valle, einem der kleinsten Weingüter Chiles, werden die organisch angebauten Weine liebevoll in Handarbeit hergestellt.Das Valle del Elqui ist eines der schönsten Naturgebiete Chiles. Das fruchtbare Flusstal durchschneidet ein semi-arides Gebirge, die beinahe schon wüstenähnliche Vorkordillere dieser Region. Extrem geringe Niederschläge sorgen für blauen Himmel das ganze Jahr hindurch, und mehrere internationale Astronomie-Gesellschaften unterhalten hier Sternwarten, z.B. auf dem Berg Tololo, in La Silla oder dem Berg Pachón, auf dem mit dem 4,1 Meter großen Gemini-Teleskop eines der wichtigsten Observatorien der südlichen Hemisphäre steht. In der kleinen Stadt Vicuña, 50 Kilometer von La Serena taleinwärts gelegen, kam die chilenische Lyrikerin und Nobelpreisträgerin Gabriela Mistral zur Welt. Ihr ist ein Museum gewidmet, und auch die Schule, an der sie unterrichtet hat, kann besichtigt werden. In den 90er Jahren wurde das nahegelegene Flusstal Limarí für den Anbau edler Rebsorten entdeckt. Ähnliche klimatische Verhältnisse und Bodenbedingungen haben hier eine Rebfläche von nahezu 1700 Hektar entstehen lassen; fast die Hälfte davon ist mit Cabernet Sauvignon bestanden. Ebenso wie im Valle de Elqui wurden im Valle de Limarí viele archäologische Funde gemacht; im denkmalgeschützten Gebiet von Pichasca kann man fossile Reste des Regenwaldes bewundern. Wunderschön ist auch der Nationalpark Fray Jorge, benannt nach einem spanischen Franziskaner, der dieses Gebiet mit seinem vom Küstennebel befeuchteten Mikroklima bereits im 17. Jahrhundert entdeckte und beschrieb. Mitten in der Halbwüste steht hier ein feuchter Regenwald mit Arten, die noch aus prähistorischer Zeit stammen.

Der Weintourismus steckt im Valle de Limarí noch in den Anfängen; nur die Weingüter Casa Tamaya und Agua Tierra haben ihre Tore bereits für interessierte Besucher geöffnet.

Valle de Aconcagua
Etwa hundert Kilometer nördlich von Santiago durchzieht der Aconcagua-Fluss das Zentraltal von Ost nach West. Er nimmt seinen Anfang am gleichnamigen Berg – mit fast 7000 Metern der höchste Andengipfel – und mündet bei Valparaíso in den Pazifik. Das Aconcagua-Tal bietet ein ideales, mediterranes Klima für den Weinanbau, mit heißen Tagen und kühl-feuchten Nächten. Die Böden sind sandig und steinig, mit reichen mineralischen und organischen Flussablagerungen. Seit 1870 wird hier Wein angebaut, und neben diversen Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc hat vor allem der Syrah der Viña Errázuriz Berühmtheit erlangt. Nur etwas mehr als zehn Prozent der Rebflächen sind von Syrah bestanden, dennoch gilt der Wein als emblematisch für das Aconcagua-Tal.

Wein-Touristen finden hier eine reiche Varietät von Kellereien und kleineren Weingütern: die technisch hochgerüsteten Anlagen der Viña Errázuriz beispielsweise, und im Gegensatz dazu die alten handwerklichen Maschinen, mit denen auf der romantischen Viña Sánchez de Loria noch heute Likörweine hergestellt werden. In der jüngsten Zeit wurde ein neues Tourismusprojekt in Angriff genommen, das Weinlieberhabern die Möglichkeit bietet, vom Aconcagua-Tal über die internationale Passstraße in die argentinische Weinregion Mendoza zu reisen.

Das Aconcagua-Tal bietet neben den Weingütern zahlreiche andere touristische Möglichkeiten: Skifahrer finden ein Paradies im Wintersportzentrum Portillo in den Anden, Bergsteiger können sich an die Besteigung des 6962 Meter hohen Aconcagua wagen, und auf der Laguna del Inca kommen Kayak-Liebhaber zum Zuge. Einige Weinberge der Viña San Esteban beherbergen alte, präkolumbische Petroglyphen.

Valle de Casablanca
Zwischen Anden und Küstenkordillere erstreckt sich das kühlere Casablanca-Tal, rund 60 Kilometer von Santiago entfernt an der Hauptverkehrsstraße zum Pazifik. Die Nähe zum Meer beeinflusst das Klima und sorgt für ständige Feuchtigkeit aufgrund der starken Morgennebel. Die Böden sind natürlich, reich an verottenden Mineralien aus der Anden-Schneeschmelze und stark lehmhaltig. Besonders die weißen Trauben, die langsam reifen, finden hier ideale Bedingungen, weshalb fast drei Viertel des Anbaus von Chardonnay bestimmt ist. Daneben sind Sauvignon Blanc, Pinot Noir und Merlot die charakteristischen Trauben des Casablanca-Tals; auch die in Chile eher seltene Riesling-Traube gedeiht hier. Insgesamt bestehen sie eine Rebfläche von nahezu 4000 Hektar. Die Weinbauregion wurde erst zu Beginn der 80er Jahre erschlossen, als der Önologe Pablo Morandé die lehmigen Böden und das feuchte See-Klima mit den Bedingungen verglich, die er in Kalifornien kennengelernt hatte. Heute gibt es hier neben der Erzeugung hochwertiger Qualitätsweine für den Export im Casablanca-Tal auch die ersten chilenischen Projekte für die Herstellung von organischem Wein.

Da die Ruta 68 von Santiago nach Valparaíso von fast allen Chile-Touristen befahren wird, hat sich der Weintourismus im Casablanca-Tal schnell entwickelt. Weingüter wie Morandé, Santa Rita, Veramonte, Concha y Toro, Santa Emiliana oder Santa Carolina öffnen ihre Pforten für Besucher und bieten Weinproben, Fahrten mit traditionellen Kutschen oder Mittagessen in erstklassigen Feinschmecker-Restaurants an. Ein Muss für alle Gourmets ist das Weinrestaurant „House of Morandé“, wo ein Fünf-Sterne-Koch unvergessliche Kreationen mit Krebsfleisch, Wildschwein oder Knoblauch von der Insel Chiloé bereithält. Die Kellerei des Weinguts Indómita, auf einem der Gipfel der Küstenkordillere gelegen, erinnert in Aufbau und Einrichtung an ein Weinschloss, von dessen Terrassen aus man einen herrlichen Blick auf die grünen Weinberge des Tals hat. Der frische Wind vom Pazifik und die überlebensgroßen Buch staben, d ie das Emblem „Viña Indómita“ formen, geben Reisenden das Gefühl, in Hollywood zu sein.

Aber auch kleine, innovative Bodegas und romantische Kellereien setzen Akzente. Auf dem Gut Puro Caballo wird chilenisches Brauchtum gepflegt; die Fertigkeiten der chilenischen Huasos und ihrer stolzen Reitpferde können hier bewundert werden. Das Restaurant der Viña Casas del Bosque auf der ehemaligen Hacienda Santa Rosa in Casablanca bietet kleine, aber äußerst feine Menüs für verwöhnte Gaumen. Die „Ruta Aéreo del Vino“ ist die jüngste Attraktion des Weintourismus in Chile: Mit einem Kleinflugzeug werden die Weinberge des Casablanca-Tals und des Maipo-Tals überflogen und Stationen zu Lunch und Weinführungen auf bekannten Weingütern Station gemacht.

Valle de San Antonio
Jeweils eine Autostunde von Santiago und der Hafenstadt San Antonio entfernt, findet sich in Pazifiknähe eine der jüngsten Weinregionen Chiles: das Tal von San Antonio. Erst seit zehn Jahren, jedoch mit wachsendem Erfolg, werden hier hochwertige Weine produziert: elegante Sauvignon Blancs, Chardonnays und die ansonsten eher seltenen Pinot Noirs. Die Böden sind sehr abwechslungsreich, lehmig und trocken, das Klima wird stark von der nahen See beeinflusst. Die ersten Güter, die sich im Valle de San Antonio etablierten, sind Matetic, Garcés Silva und Casa Marín. Alle tragen durch Innovation und Wagemut zu einer ganz besonderen, charakteristischen Produktion in dieser Region bei: So entstanden hier zum Beispiel der erste Syrah in feucht-kühlem Klima und der beste Pinot Gris Chiles. Gewagte Kombinationen wie der Merlot-Malbec von Matecic finden sich ebenfalls in San Antonio. Seit 2002 besitzt das Gebiet das Gütesiegel D.O. (Denominaci&oa cute;n de Origen, ausgewiesenes Weinbaugebiet).

Touristisch ist die Weinregion noch nicht ausreichend erschlossen. Eine eigene Weinstraße gibt es nicht, wohl aber einige interessante Angebote für Liebhaber des Besonderen: Die Viña Matetic beispielsweise bietet eine Besuchertour mit eigenem Restaurant und Gästehaus in den Weinbergen an.

Valle del Maipo
Im Maipo-Tal rund um die chilenische Hauptstadt Santiago nimmt die Geschichte des chilenischen Weinbaus ihren Anfang. Bis heute ist diese Weinregion die bekannteste Chiles. Von hier stammen die erfolgreichsten Exportweine des Landes und hier befinden sich die Meilensteine in der Geschichte des Weinbaus: von 1555 an, als die erste Weinproduktion des Landes offiziell mit Urkunden bezeugt wurde, über die erstmalige Einführung französischer Rebsorten 1851 bis ins Jahr 1994, als man hier die ausgerottet geglaubte Rebsorte Carmenère wiederentdeckte.

Das Klima im Maipo-Tal ist stabil, mit warmen trockenen Sommern und kurzen, milden Wintern, die in der Regel nicht mehr als 450 mm Niederschlag mit sich bringen. Die Tage sind heiß, die Nächte kühl, die Temperaturschwankung zwischen Tag und Nacht erheblich. Nur in den höheren Lagen gibt es bisweilen Frost, weswegen die sonnenbedürftigen Rotweintrauben hier am besten gedeihen. Von rund 10000 Hektar Anbaufläche sind 8000 mit roten Reben bestanden (Cabernet Sauvignon, Merlot, Carmenère, Syrah, Cabernet Franc und Malbec), auf den restlichen 2000 Hektar gedeihen die klassischen weißen Sorten Chardonnay, Sauvignon Blanc und Semillón. Die natürlichen Böden sind mineralstoffreich, flach, sandig-lehmig und von guter Durchlässigkeit. Bewässert wird vor allem traditionell über Kanäle aus der Anden-Schneeschmelze; die Tröpfchenbewässerung ist nur wenig verbreitet.

Das Maipo-Tal liegt gut geschützt zwischen dem Andengürtel und der Küstenkordillere und wird von zwei wasserreichen Flüssen durchquert, dem Maipo und dem Mapocho. Die Weinregion wird, abhängig von Klima, Bodenbeschaffenheit und Höhenlage, in drei Anbaugebiete unterteilt: Maipo Alto, Maipo Medio und Maipo Costa. Das sonnigste Gebiet ist das mittlere Maipo-Tal auf ca. 550 M.ü.M. Hier reifen die seidigsten und fruchtigsten Rotweine. Im höhergelegenen, kühleren Maipo Alto werden stärker strukturierte und gerbstoffreichere Weine hervorgebracht, während die Nähe zur Küstenkordillere mit ihren frischen Winden im Maipo Costa für Weine von interessanter Säure sorgt.

Das Maipo-Tal beherbergt die großen traditionellen Weingüter Chiles, die hier ihren Hauptsitz haben, auch wenn sie immer mehr in andere Weinregionen expandieren: Concha y Toro (die größte Kellerei Chiles), Santa Rita, Cousiño Macul, Tarapacá, Carmen, Barón de Rothschild. Die Weingüter Antiyal und Pargua produzieren organische Weine von guter Qualität. Die Nähe zu Santiago mit seinen Weinlokalen, spezialisierten Verkaufsboutiquen und guten Restaurants ist ein weiteres Plus der Region.

Valle Cachapoal
Rund hundert Kilometer südlich von Santiago erstreckt sich das Tal von Rapel, in dem sich zwei der prestigereichsten und international bekanntesten Weinanbaugebiete Chiles befinden: Das vom gleichnamigen Fluss durchzogene Valle Cachapoal südlich von Rancagua sowie das vom Tinguiririca-Fluss bewässerte Valle Colchagua. Hier liegt, eingebettet in die sanften Hügel der Vor- und der Küstenkordillere, die alte Kolonialstadt Santa Cruz (s.u.). Die Zone wird vom typisch mediterranen Klima des chilenischen Zentraltals beherrscht, mit heißen Sommern, milden Wintern und großen Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht. Gebiete mit ausgeprägten Mikroklimata (abhängig von der jeweiligen Nähe zum Pazifik oder den Anden) schaffen abwechslungsreiche Bedingungen für verschiedene Rebsorten. Die Böden sind natürlich, reich an verrotteten Mineralien, abgelagert in sandigen Schichten, mit stellenweisem Einfluss von Kalk und Stein en. Fast alle großen Rebsorten gedeihen hier prächtig (Chardonnay, Sauvignon Blanc, Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah, Carmenère und Malbec). Zu besonderem Ruhm haben es freilich die nicht so ertragreichen und weniger angebauten Merlot und Carmenère gebracht.

Das Cachapoal-Tal und hier besonders Alto Cachapoal in den höheren Lagen nahe der Kordillere, war in den vergangenen Jahren ein beliebtes Ziel für französische Investoren und Weinliebhaber. So haben sich bekannte Weinbaufamilien aus Bordeaux, aus dem Elsass und von der Loire mit alteingesessenen chilenischen Winzern zusammengeschlossen oder eigene Weinkellereien hier aufgebaut, um hochwertige Rotweine französischer Prägung zu produzieren. Die gut erschlossene Weinstraße Alto Cachapoal wird gesäumt von bekannten Weingütern wie Altaïr, Morandé, Anakena, Misiones de Rengo oder Chateau Los Boldos. Die berühmten Roten (Merlot und Carmenè) sind stark konzentriert, fruchtig und leicht süß, mit Schokoladen- oder Marmeladen-Noten.

Die relative Nähe zu Santiago macht die Weinregion interessant für alle Besucher, die über wenig Zeit verfügen, jedoch mehr als die Weingüter in Hauptstadtnähe kennenlernen wollen. In den nahen Anden gibt es ein Wintersportzentrum und mehrere schöne Naturschutzgebiete. Die heißen Thermalquellen von Cauquenes laden zum Entspannen ein. Die ehemalige Bergbaustadt Sewell kann ebenfalls von der Weinstraße aus besucht werden.

Valle Colchagua
Das Flusstal des Tinguiririca verfügt über dieselben klimatischen und edaphologischen Bedingungen wie das Nachbartal Valle Cochapoal: mediterrane Temperaturen, gut geschützte und stark besonnte Weinberge, lehmige, mineralstoffreiche Böden. Gemeinsam bilden die beiden Regionen das Valle de Rapel, aus dem chilenische Spitzenweine stammen: Montes Alpha, Folly und Clos Apalta gelten als Ikonen des chilenischen Weinbaus. Die Erzeugung hochwertiger Weine, chilenisches Kulturgut und Brauchtum sowie exzellente Angebote im Bereich des Weintourismus haben dieses Anbaugebiet international bekannt gemacht. Im Jahr 2005 wurde sie von der amerikanischen Fachzeitschrift Wine Enthusiast zur Weinregion des Jahres gewählt.

Im Colchagua-Tal wurde 1996 die erste chilenische Weinstraße geschaffen. Bekannte Weingüter wie Lapostolle, Casa Silva, Montes, Laura Hartwig, Estampa oder Montgras öffneten den Besuchern ihre Tore. Die Landstraße Ruta I-50, die von der Nord-Süd-Verbindung Panamericana an den Pazifik führt, trägt seit 2001 den offiziellen Beinamen „Carretera del Vino“.

Vom Kolonialstädtchen Santa Cruz aus können alle wichtigen Weingüter besichtigt werden. Viele andere attraktive Ziele machen die Region interessant: die Hacienda Huique beispielsweise, eine ehemalige Sommerresidenz chilenischer Präsidenten, die im Stil des 18. Jahrhunderts restauriert ist, oder der „Tren del Vino“, ein dampflokgetriebener Zug, der durch die Weinfelder fährt und in dem die besten Weine der Region ausgeschenkt werden. Das Hotel Santa Cruz Plaza ist eines der schönsten Gästehäuser Chiles, das modernen Service und traditionelle Elemente elegant vereinigt. Das an das Hotel anschließende Museum von Colchagua schließlich ist ein Muss für jeden Besucher der Region: die größte Privatsammlung des Landes zeigt einen umfassenden Querschnitt durch chilenische Geschichte und Brauchtum.

Die Viña Santa Cruz, auf der der emblematische Wein „Chamán“ erzeugt wird, ist eifrig dabei, ein besonderes weintouristisches Angebot auszubauen. Mit einer Seilbahn bringt sie ihre Gäste direkt von der Kellerei auf die Spitze eines Hügels, der ein kleines Sternenobservatorium beherbergt. Dieses ist nicht für die wissenschaftliche Nutzung gedacht, sondern steht allen Besuchern offen. Reste von Meteoriten und Gebrauchsgegenstände von Astronauten sind Teil der zugehörigen Sammlung. Bei einem anschließenden Bummel kann man das Indianerdorf von Santa Cruz besichtigen: Hier sind Nachbauten von Originalbehausungen der chilenischen Indianerbevölkerung – Mapuche, Rapa Nui und Aymara – ausgestellt.

Valle de Curicó
Weiter im Süden als die anderen bekannten Weinregionen, rund 220 Kilometer von der Hauptstadt Santiago entfernt, erstreckt sich das Tal von Curicó. Hier herrschen klimatisch gemäßigte, mediterrane Verhältnisse mit heißen Sommertagen und kühl-feuchten Nächten. Die Winter sind durch den Einfluss des pazifischen Hochdruckgebiets mit ca. 720 mm Niederschlag im Jahr deutlich regenreicher als noch im Valle de Rapel. Die Böden sind flach, erodiert, mineralstoffreich und gut wasserdurchlässig. In höheren Lagen herrschen Sand und Steine vor. Zahlreiche Bewässerungskanäle durchziehen das Tal, die aus den Flüssen Teno und Lontué gespeist werden. In dieser Region befindet sich die größte von weißen Rebsorten bestandene Anbaufläche des Landes.

Insgesamt fast 18000 Hektar Weinberge beherbergt das Curicó-Tal derzeit. In abnehmender Reihenfolge werden hier die Sorten Cabernet Sauvignon, Sauvignon Blanc, Merlot und Chardonnay kultiviert. Die Usrprünge des Weinbaus in Curicó gehen auf die Winzerfamilie Correa Albano zurück, die bereits 1851 edle französische Rebsorten in der Region einführte. Auf diesen Anbaugebieten in der Nähe der Kleinstadt Molina steht heute die drittgrößte Kellerei Chiles, die Viña San Pedro. Das Curicó-Tal ist auch Szenarium für eine der größten technologischen Erneuerungen im chilenischen Weinbau: Anfang der 80er Jahre lagerte der spanische Önologe Miguel Torres erstmals Wein in rostfreien Stahltanks und gab damit den Anstoß zu einer grundlegenden Modernisierung des Sektors.

Die Viña Miguel Torres war es auch, die erstmals das traditionelle Weinlesefest, die Vendimia, für Besucher und Weinliebhaber zugänglich machte. Ein unbedingtes Muss ist heute für jeden Feinschmecker ein Abstecher in das Gourmet-Restaurant von Miguel Torres am Camino Longitudinal Sur.

Im Valle de Curicó gibt es ein breites weintouristisches Angebot, von traditionellen chilenischen Festen über Weinproben, die Besichtigung von Kellereien und Boutiquen bis hin zu feiner Gastronomie und landestypischen Mittagessen. Die Nähe zu wunderschönen Erholungsgebieten wie den Kaskaden von Siete Tazas, der Laguna Torca oder dem Vichuquén-See machen die Weinregion zu einem attraktiven Reiseziel.

Valle del Maule
260 Kilometer südlich von Santiago liegt das Weinbaugebiet Valle del Maule. Es ist das einzige, das neben dem Valle de Maipo Anspruch auf den Titel „Wiege des chilenischen Weinbaus“ erhebt. Tatsächlich gehen die Ursprünge des Weinbaus in diesem recht kühlen Flusstal zwischen Anden und Küstenkordillere auf die spanischen Eroberer zurück, die hier bereits im 16. Jahrhundert die Traube País kultivierten. Noch heute werden 8500 der rund 31000 Hektar großen Anbaufläche (der größten zusammenhängenden Chiles) von der roten Sorte País bestanden. Das bereits frische und im Winter regenreiche Mittelmeerklima und die schweren, ton- und säurehaltigen Böden machen die Produktion nicht sehr ertragreich, dafür qualitativ um so wertvoller. Alle großen roten und weißen Rebsorten werden im Valle del Maule angepflanzt, wobei die roten Weine (Cabernet Sauvignon, Carmenère, Merlot und Malbec) b esonders hochwertig sind. Die flussnahen Böden bringen fruchtigere Weine hervor als die Seitenhänge.

Im Maule-Tal werden drei Anbauzonen unterschieden, Valle de Río Claro, Valle de Loncomilla und Valle de Tutuvén. Letzteres präsentiert eine weniger bekannte Facette des chilenischen Weinbaus: Hier herrscht noch der traditionelle Trockenanbau von Weinstöcken vor (d.h., die Reben erhalten außer bei Regen keine Bewässerung). Einfache Rebsorten wie País oder Moscatel (Muskat) stehen hier nicht in Spalieren, sondern werden in der Gobelet- oder Pokal-Form gezogen.

Der Weintourismus befindet sich im Maule-Tal im Aufschwung. 16 Weingüter, unter ihnen Kellereien wie Balduzzi, Casa Donoso, Calina, Domaine Oriental oder Carpe Diem, bieten umfassende Besucher-Betreuung an, mit eigenen Gästehäusern, feiner Gastronomie, Reittouren oder neuerdings sogar einer „Wein-Therapie“. Der Carmenère gilt als der typische Wein der Region, sodass ihm sogar ein eigenes Event gewidmet ist: die „Noche del Carmenère“, die am zweiten Samstag im November (mitten im chilenischen Frühling) gefeiert wird. In der Villa Cultural Huilquelemu wird von allen wichtigen Weingütern der Region eine große Feier gestaltet und der Preis für den besten Carmenère des Jahres verliehen.

Valle de Itata
400 Kilometer südlich von Santiago und 50 Kilometer östlich von Concepción liegt eines der traditionellen Weinanbaugebiete Chiles, in dem man erst in den vergangenen Jahren damit begonnen hat, neben der Massenproduktion einfacher Tischweine auch qualitativ hochwertigere Weine herzustellen. So stehen auf rund 10000 Hektar Rebfläche fast ausschließlich rustikale Rebsorten (País und Moscatel bzw. Muskat). Auf etwa 1000 Hektar wurden in den vergangenen fünf Jahren Chardonnay und Cabernet Sauvignon angepflanzt. Klimatisch charakterisiert sich das Itata-Tal, das von den Flüssen Itata und Ñuble durchzogen wird, durch recht kühle, frische und windige Sommertage und regnerische Winter. Die Böden sind sandig und mineralstoffreich, was hohe Erträge ermöglicht. Weite Waldflächen wechseln sich mit Weinbergen an den geschützten Hängen zwischen Anden und Küstenkordillere ab.

Mit einem Förderprogramm der Regierung wird seit 2003 versucht, die Weintradition wiederzubeleben. Schon bald nach der spanischen Eroberung wurde hier Wein für den Verbrauch im ganzen Land angebaut; zeitweise galten die Weine aus Itata als die besten des Landes. Mit der Einführung edler europäischer Reben und dem intensiven Anbau in wärmeren Gegenden geriet das Itata-Tal in Vergessenheit. Heute versuchen innovative und qualitätsorientierte Weingüter wie Casas de Giner, Viñedos del Larqui, Tierra y Fuego oder Tierras de Arrau der Region wieder Aufwind zu geben.

Die Weinlese wird im Itata-Tal in zwei Etappen vollzogen: Von Ende Februar bis Mitte März, wenn in Chile der Sommer zu Ende geht, werden die weißen Trauben verlesen, von Mitte März bis Ende April, im Frühherbst, die roten. Das traditionelle Erntefest, die Vendimia, wird jedes Jahr in der ersten Aprilwoche gefeiert.

Valle del Bio Bio
Die südlichste Grenze der chilenischen Weinanbaugebiete verläuft entlang des Flusses Bio Bio, rund 500 Kilometer südlich von Santiago. Auch in diesem Flusstal wurden jahrhundertelang – wie im benachbarten Valle de Itata – die rustikalen Rebsorten País und Moscatel für die Produktion von Tischweinen angebaut. Noch heute bildet die Massenproduktion für einfache Weine den Grundstock der weinwirtschaftlichen Aktivitäten am Bio Bio. Parallel zu den guten Erfahrungen in Itata und Limarí wird jedoch auf verschiedenen Weingütern an der Herstellung hochwertigerer Qualitätsweine gearbeitet.

Das Klima am Bio Bio ist kühl und sehr windig, auch im Sommer, es fallen rund 1100 mm Niederschlag im Jahr. Die Böden sind natürlich-sandig und steinig, mineralische und organische Flussablagerungen machen sie fruchtbar und ertragreich. Unter diesen Bedingungen gedeihen besonders edle Rebsorten, die eine lange Reifezeit brauchen und natürlich-frische, saure Weine ergeben, gut: Sauvignon Blanc, Pinot Noir, Riesling und Chardonnay. Weingüter, die es sich zum Ziel gesetzt haben, hochwertige Weißweine in dieser aufstrebenden Weinregion zu entwickeln, sind Carpe Diem, Don Francisco oder VinSur. Die Viña Canata, ein traditionsreicher Familienbetrieb, rühmt sich, die „südlichste Kellerei“ der Welt zu besitzen.