Der Ritt

Die chilenische Reitweise

Die chilenische Reitweise, Gangarten, Geländeschwierigkeiten, Gruppenverhalten

Die chilenische Reitweise

Wer denkt, er könne die Zügel in beide Hände nehmen und durch halbe und ganze Paraden etc. sein Pferd zu Figuren veranlassen, die ein „englisch“ gerittenes Pferd ausführen würde, der irrt! Hier gibt es Paraden ebenso wenig wie verwahrenden oder vorwärts-seitwärts treibenden Schenkel.

Wer bisher wenig mit Pferden zu tun hatte, sollte sich merken, dass ein Pferd immer von links aufgesattelt wird. Von links wird auch auf- und abgestiegen und geführt, es sei denn, die Situation verlangt etwas anderes, z.B. wenn links ein Abgrund gähnt). Bei längeren Ritten ist darauf zu achten, dass die Steigbügelweder zu lang noch zu kurz eingestellt sind – man sollte bequem sitzen können. Merkt man unterwegs, dass die Steigbügel nicht die richtige Länge haben, fragt man den Arriero oder Guide, ob man kurz halten kann, um sie zu verstellen. Andernfalls kann man schon am ersten Abend Probleme mit den Knien bekommen.

Die Zügel bestehen aus runden, dicken Leder“stricken“ und werden stets in einer Hand getragen. In welcher ist dabei egal, als vorteilhaft erweist sich jedoch, vor allem bei längeren Ritten, die Hand zu wechseln. Die Zügel sollten nicht durchhängen, sondern dem Pferd eine lockere Anlehnung geben, am besten indem sie eher kurz genommen werden, die Hand jedoch recht weit nach vorne mitgeht. So hat man genügend Spielraum zwischen Hand und eigenem Körper, um die Hilfe zum Anhalten oder zum Wechsel in eine langsamere Gangart zu geben. Diese Hilfe wird ausgeführt, indem man die Zügel mit einem kurzen Ruck nach hinten anzieht.

Die chilenische Reitweise arbeitet also mit Impulsen, was bei der Hilfengebung durch die Schenkel nicht anders ist. Denn auch dieser liegt bei vorwärtstreibenden Hilfen nicht ständig treibend am Pferdeleib an. Statt dessen werden die Beine einfach in lockerer Position nach vorne gestreckt. Möchte man nun das Pferd veranlassen, nach vorne zu treten oder in eine schnellere Gangart zu wechseln, so klopft man kurz mit beiden Schenkeln kurz gegen den Pferdeleib (bei unwilligeren Tieren auch zwei oder drei Mal).

Im Gegensatz zur „englischen“ Reitweise trabt man in Chile nicht leicht, und auch im leichten Sitz sieht man keinen echten Arriero galoppieren. Wer dies dennoch angenehmer findet als Aussitzen, den hindert nichts daran, denn die chilenischen haben im Gegensatz zu Westernsätteln keinen Knauf (siehe Ausrüstung des Pferdes).

Im Großen und Ganzen ist die chilenische Reitweise sehr schnell zu erlernen, so dass selbst Anfänger – auch aufgrund des Gemüts der chilenischen Pferde – schnell Spaß am Reiten im Gelände finden.


Gangarten

Genau wie bei allen anderen Pferden findet man bei den chilenischen die drei Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp.

Die Hauptgangart bei einem Trekking ist der Schritt, da einerseits das Pferd viel Kraft für die gesamte Tour benötigt und andererseits das Gelände oft keine andere Möglichkeit zulässt.

Man sollte im Schritt immer darauf achten, dass das Pferd nicht ständig vor sich hindöst. Dies ist gerade in schwierigem Gelände gefährlich, so dass man es immer wieder aufmerksam machen und antreiben sollte.

Für den ungeübten Reiter ist zu sagen, dass der Trab diejenige Gangart ist, die am schwersten auszusitzen ist. Hier bietet das für Chile eigentlich untypische Leichttraben eine angenehmere Alternative: Man nutzt den Schwung der Aufwärtsbewegung des Pferderückens, um bei jedem 2. Trabtakt aus dem Sattel gehoben zu werden, steht also praktisch kurz im Sattel und lässt sich beim nächsten Takt wieder sanft zurück in den Sattel fallen. Am besten legt man eines der beiden Vorderbeine als Stütze fest (man kann es auch bei längeren Trabstrecken alle 5 Minuten wechseln, um das Pferd nicht einseitig zu belasten). Immer, wenn dieses Bein nun nach vorne geht, steht man auf und setzt sich gleich darauf wieder in den Sattel um erneut beim nächsten Takt aufzustehen.

Der Galopp ist wesentlich einfacher auszusitzen, da man besser mitschwingen kann. Er ist jedoch auch wesentlich schneller als der Trab und macht deshalb vielen Anfängern Angst. Wer dabei in den leichten Sitz gehen möchte (weniger anstrengend für den Reiter und entlastend für das Pferd), der stellt sich leicht nach vorn gebeugt in die Steigbügel, so dass das Gesäß keinen ständigen Kontakt mehr mit dem Sattel hat. Um den Halt dabei nicht zu verlieren, müssen die Knie eng am Sattel anliegen.

Bei einigen chilenischen Pferden kann man mit Glück noch einen Zwischengang (Mischung aus Schritt und Trab) vorfinden, auf Spanisch „Marcha“ genannt. Dieser ist sehr bequem zu sitzen, verlangt vom Pferd weniger Anstrengung als der Trab oder Galopp, und man kommt dennoch recht schnell voran. Er ist also optimal für Trekkings geeignet.


Hindernisse und Schwierigkeiten beim Reiten im Gelände

Das Gelände ist keine Reitbahn und deshalb auch nicht immer flach, schon gar nicht in der chilenischen Andenkordillere. Man sollte hier ein paar Tipps beachten:

Bergaufreiten ist für das Pferd anstrengender als flaches Gelände. Man geht deshalb im Sattel, je nach Grad des Anstiegs, mit dem Oberkörper nach vorne und gibt dem Pferd ein klein wenig mehr Zügel (aber nicht durchhängen lassen!). Wird es so steil, dass man merkt, wie man nach hinten rutscht, so kann man sich in der Mähne, keinesfalls jedoch in den Zügeln festhalten.

Beim Bergabreiten vor allem in schwierigem, unebenem Gelände und bei Geröllhängen muss sich das Pferd stark konzentrieren, um nicht zu stolpern oder auszurutschen. Die Zügel dabei etwas länger lassen, so dass sich das Pferd selbst gut ausbalancieren kann. Nur wenn es zu schnell wird, kann man den Zügel leicht (!) annehmen, um es abzubremsen. Der Reiter lehnt sich, je nach Grad der Neigung, im Sattel nach hinten und streckt die Beine etwas weiter nach vorn, um sich gut in den Steigbügeln abstützen zu können.

Außer bei leichten Bergabneigungen mit gutem Untergrund sollte nie bergab getrabt, schon gar nicht galoppiert werden.

Wird der Abstieg auf dem Pferd zu gefährlich, so sollte man in jedem Fall absteigen. Hier gibt es nun mehrere Alternativen:

Ist der Weg breit genug, so ist es sinnvoll, dass Pferd in etwas Abstand rechts neben sich zu führen (man selbst geht also in Blickrichtung links neben dem Pferd). Ist der Weg zu schmal, geht man am besten am langen Zügel vor dem Pferd. Dies bringt die Gefahr mit sich, dass das Pferd bei einem Sturz den Reiter verletzt.

Chilenische Pferde sind es jedoch gewohnt, in der Herde gemeisam bergab zu gehen, ohne sich dabei weit voneinander zu entfernen. Der Arriero oder Guide bleibt meist auch im schwierigen Gelände auf seinem Pferd sitzen und treibt die ganze Herde mit Pfiffen und Rufen hinunter. Man kann also getrost die Zügel am Sattel (z.B. unter dem Steigbügel durchstecken) festmachen und es alleine hinab gehen lassen. Selbst sollte man mit etwas Abstand hinter der Herde gehen.

Andere Hindernisse können herab hängende Äste, Felsüberhänge und Steinblöcke sein. Das Pferd denkt natürlich nicht für den Reiter mit, und so sollte man sich rechtzeitig ducken und auf Knie sowie Packtaschen achtgeben.

Liegen Baumstämme quer über dem Weg, so sollten diese umgangen werden. Man kennt das Springvermögen des Pferdes und auch den Boden hinter dem Baumstamm nicht so gut, um einen Sprung zu riskieren.

Auch Brücken können Gefahren bergen. Vor allem alte Holzbrücken, die nach einem Regen aufgeweicht und rutschig sind, sollten mit Vorsicht überquert werden. Über sehr instabile Brücken oder auch Hängebrücken sollte nur ein Pferd nach dem anderen gehen.

Im Großen und Ganzen sollte man Gefahren frühzeitig erkennen. Am besten bevor das Pferd erschrecken kann!


Verhalten beim Reiten in der Gruppe

In der Gruppe müssen mehrere Reiter mit unterschiedlichem Kenntnisstand und Vorstellungen von der Reittour versuchen, auf einen Nenner zu kommen. Vor allem Reihenfolge und Tempo sollten vorher abgesprochen werden. Bei breiten Wegen ohne Gegenverkehr (sei es Autos, Kühe, Ziegen, andere Reiter, Wanderer) kann man im Schritt durcheinander reiten und die Positionen beliebig wechseln. Man sollte jedoch immer darauf gefasst sein, dass doch mal ein Auto etc. kommen kann und immer in der Lage sein, binnen kurzem wieder geordnet hintereinander am Rand des Weges entlang zu reiten oder kurz stehen zu bleiben. Dabei sollte man den etwaigen Abgründen abgewandten Straßenrand wählen…

Auch der Abstand spielt bei Gruppenritten eine große Rolle. Normalerweise hält man eine Pferdelänge Abstand, d.h. dass man bei ebenem Untergrund die Sprunggelenke oder besser noch Hinterhufe des Vorderpferdes sieht, wenn man zwischen beiden Ohren des eigenen Pferdes hindurchschaut. Reitet man bergauf oder bergab, sollte der Abstand vor allem in schwierigem Gelände zwei oder drei Pferdelängen betragen. Dies mindert die Gefahr, dass andere Pferde oder Reiter verletzt werden, wenn ein Pferd ins Rutschen kommt oder stürzt.