Arbeitsmarkt

Was bietet der chilenische Arbeitsmarkt

Die höchsten durchschnittlichen Monatsbezüge werden in Nord-Chile (u.a. Minen) und in der Metropolitana-Region erreicht.

Der Arbeitsmarkt bietet relativ qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte. Es gibt einige tausend Arbeitnehmer, welche auch Deutsch verstehen oder sprechen, u.a. wegen Deutschen Schulen, Goethe-Instituten, zurückgekehrten Exil-Chilenen und den Nachfahren von Einwanderern aus dem deutschen Sprachgebiet.

Die Lohn-/Lohnnebenkosten sowie die Sozialversicherungskosten (mindestens 5,2% der Gehaltsbemessungsgrundlage) sind relativ niedrig, auch die Betriebskosten. Der Durchschnittslohn beträgt ca. 350.000 Pesos (ca. 500 EUR), etwa 70% der Bevölkerung verdienen darunter. Die höchsten durchschnittlichen Monatsbezüge werden in Nord-Chile (u.a. Minen) und in der Metropolitana-Region erreicht. Variable Gehaltsanteile (Provisionen, Gratifikationen, Fahrtkostenzuschüsse, Essensgeld etc.) gewannen in den vergangenen Jahren an Bedeutung. Hochqualifizierte Führungskräfte verdienen in der Regel ähnlich viel wie europäische Kollegen, die Verdienstunterschiede innerhalb der Firmen-Hierarchieebenen sind enorm.

Durch die vielen ausländischen Firmen in Chile besteht ein hohes Niveau an Internationalität (gerade in Santiago) und es gibt viele relativ gut ausgebildete Arbeitnehmer mit Fachkenntnissen. Jedoch gibt es Defizite beim Führungspotential, Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl, Teamgeist, Eigeninitiative, Flexibilität und Servicementalität. Die Wochenarbeitszeit beträgt zwar 45 Stunden, jedoch ist die Produktivität niedriger als in Mitteleuropa. Eine Probezeit ist unüblich, oft werden bei Einstellungen zeitlich befristete Verträge (z.B. 1 Jahr) abgeschlossen. Es besteht für den Arbeitgeber keine Verpflichtung auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, die Krankenversicherung übernimmt dies und prüft meist sehr genau.

Bei Kündigungen durch den Arbeitgeber besteht eine Frist von 30 Tagen, die Entschädigung hat sich u.a. an der Dauer der Unternehmenszugehörigkeit zu orientieren. Ausländische Firmen sind gut beraten die arbeitsrechtlichen Vorschriften in Chile einzuhalten, da die Verwaltungsangestellten der Behörden (u.a Inspección del Trabajo) oft überkorrekt sind.

Die chilenischen Gewerkschaften spielen seit ihrer weitgehenden Zerschlagung in der Zeit der Militärdiktatur im Vergleich zu Deutschland eine lediglich untergeordnete Rolle. Es gibt eine Einheitsgewerkschaft (CUT), aber der Grad der organisierten Lohnabhängigen beträgt nur etwa 15%.