Organisation

Sozialstruktur und Familie des Aymara Volkes in Chile

In der präkolumbischen Tradition der Andenvölker stammt jedes Ayllu von einem in weit zurückliegender Zeit lebenden Ahnenpaar ab.

Sozialstruktur
Das Ayllu ist die Basiseinheit im Gesellschafts- und Wirtschaftssystem der Aymara. Die Ayllu sind paarweise organisiert (männlich und weiblich) und folgen so dem Prinzip der Komplementarität der Gegensätze, das in der Kultur der Aymara so zentral ist. Ayllu-Paare bilden eine Marka, Marka-Paare eine Saya, Saya-Paare wiederum ein Herrschaftsgebiet, und diese schließlich formen je einen der vier Suyu des Tawantinsuyu.
Die Dualität von Paaren, die man bei den Ayllu beobachten kann, setzt auch ein hierarchisches Prinzip voraus: Das Oben dominiert über das Unten. Auf diese Weise versteht man, dass die Gemeinden, die auf dem Hochland angesiedelt sind, ein höheres soziopolitisches und religiöses Prestige genießen als die Gemeinden in der Vorkordillere oder an der Küste. Dies ist auch der Grund dafür, dass einige der wichtigsten Zeremonien auf den Gipfeln der Berge abgehalten werden.

 

Familie
In der präkolumbischen Tradition der Andenvölker stammt jedes Ayllu von einem in weit zurückliegender Zeit lebenden Ahnenpaar ab. Diesem gebührte ein besonderer Kult, da es als Gründer des Ayllu galt. Von derselben Begriffswelt geht die Familienorganisation der Aymara aus, die ebenfalls das Prinzip der Komplementarität beim Paar kennt. Die Aymara sehen die Ehe zwischen Mann und Frau als einen Akt, bei dem die einzelnen Teile zur ganzen Person werden (Jaquichasina), und damit wird die Auffassung von der Notwendigkeit der Komplementarität – als einziger möglicher Lebensform – bestätigt. Jeder Teil des Paares hat streng definierte Rechten und Pflichten, und beide müssen über die Einhaltung von Werten und Prinzipien der Gesellschaft achten, die im Suma q’amaña (richtig leben) festgelegt sind. Die Kinder werden schon sehr früh in ihre Aufgaben als Schäfer eingeführt und müssen den Erwachsenen Respekt erweisen und unbedingten Gehorsam leisten. Die Familienstruktur der Aymara kennzeichnet sich durch die Prinzipien der Patrilinearität und Virilokalität: Patrilinearität bedeutet, dass sowohl die absteigende als auch die aufsteigende Familienlinie durch den Vater definiert wird. Virilokalität heißt, dass die Frau dem Mann an den Ort seines Wohnsitzes nachfolgt. Es sind also die Aymara-Frauen, die ihre Ursprungsfamilie verlassen, um sich in die Familie des Mannes einzugliedern, am selben Ort, wo auch die neue Familie ihren Wohnsitz haben wird.

 

Ernährung
Die Grundnahrungsmittel der Aymara stammen aus ihrem Feldanbau und aus ihrer Viehhaltung. Bei den Feldfrüchten sind Knollenpflanzen wie die Kartoffel und die Yuca hervorzuheben, bei den Getreiden Mais und Quinoa, bei den Hülsenfrüchten verschiedene Bohnensorten. Zum Sortiment des Anbaus der Aymara gehören aber auch Knoblauch, Paprika, Chilischoten, Kürbis oder Erdnüsse. Die Aymara trinken Kräutertees, von denen viele eine heilsame Wirkung haben, zum Beispiel die Koka-Blätter, mit denen man die Höhenkrankheit kuriert. Koka kommt aber auch bei zahlreichen Riten und religiösen Zeremonien zum Einsatz. Ein typisches Nebenprodukt des Feldbaus ist für die Aymara das Kartoffelmehl, eine Speisestärke aus dehydrierten Kartoffeln, wobei die klimatischen Bedingungen des Andenhochlandes genutzt werden.
Die Ernährung der Aymara wird andererseits durch die Tierhaltung von Neuweltkamelen ergänzt. Sie halten sich Lamas und Alpakas für den Fleischkonsum. Das Fleisch wird unter anderem zu Charqui verarbeitet: dünne, in Salz eingelegte Streifen, die in der Sonne getrocknet werden. Charqui kann über sehr lange Zeit aufbewahrt werden und ist sehr leicht – ideal für lange Wege durch die Kordillere. Eines der traditionellen Gerichte der Aymara ist die Kalapurka: eine Art Eintopf, der gekocht wird, indem man nach und nach im Feuer erhitzte große Steine in den Topf gleiten lässt4