Peteroa
(3603 m)
& Azufre (4100 m)
Die
Schwefel-Ungetüme
V.
Peteroa: Trekking, V. Azufre: Alpin
3-4 Tage
An
wilder Schönheit kann es mit dieser Vulkangruppe kein anderes
Massiv in der Region aufnehmen. Der Komplex faltet sich östlich
von Curicó entlang der Grenze auf 130 Quadratkilometern
auf, den höchsten Punkt erreicht der Stratovulkan Azufre
mit 4100 m. Bereits von der Panamericana aus ist er an seiner
länglichen Form und vor allem an seinen Eisfeldern zu erkennen:
Etwa 60 Prozent des Vulkans sind vergletschert. Steigeisen, Pickel
und je nach Route auch ein Seil sind deshalb unabdingbar.
Von
der argentinischen Seite aus lässt sich der Azufre-Gipfel
einfach, aber etwas monoton in einer langen Tagestour besteigen.
Die chilenische Route zeigt sich hingegen freigiebig mit Ausblicken
auf Chiles zweitgrößtes Gletschergebiet. Sie führt
vorbei an der bezaubernden Laguna Teno und zunächst hinauf
zu den imponierenden Kratern des 3603 m hohen Vulkans Peteroa.
Dieses Ungetüm ist erst 1991 zum letzten Mal ausgebrochen,
seine beißenden Schwefeldioxid- und Schwefelwasserstoffdämpfe
lassen daran keinen Zweifel. In einem der Krater, bis zu dessen
Rand der Gletscher vorstößt, schäumt ätzende
Schwefelsäure - von einem Bad wird abgeraten.
Am
Nordrand des Komplexes thront, 4090 m hoch, der Vulkan Planchón.
Er erschwert mit extrem porösem Andesit- und Basaltgestein
im oberen Bereich die Besteigung.
Doch
nicht nur die Gipfel entschädigen für die Mühen;
auch unterwegs geizt die alpine Tour, die komplett über der
Baumgrenze verläuft, nicht mit landschaftlichen Höhepunkten.
Ausgangspunkt
Curicó.
Anreise
Achtung:
Im Januar 2005 war die Straße zum Vergara-Pass wegen mehrerer
Erdrutsche unpassierbar und die Wiedereröffnung nicht abzusehen.
Mit dem Fahrzeug gelangt man lediglich bis zum Polizeivorposten
Pichuante, 20 km vor der Grenze. Nähere Informationen bei
den Carabineros, Comisaría Teno, Tel. +75-411133.
Von
Curicó aus sind zunächst rund 100 Kilometer auf der
internationalen Straße Richtung Vergara-Pass (ca. 2500 m)
zu bewältigen. öffentliche Verkehrsmittel verkehren
nur bis zum Ferienort Los Queñes (km 46), wo auch die Polizeistation
ist. Für die Besteigung von der argentinischen Seite aus
wird hier ein Salvoconducto verlangt, den man sich zuvor bei der
Policía de Investigaciones in Curicó besorgen muss,
da die Grenzstation nicht an das zentrale Computersystem angeschlossen
ist. Lauten die Autopapiere nicht auf den eigenen Namen, benötigt
man zusätzlich eine notariell beglaubigte Genehmigung des
Besitzers, um damit die Grenze zu überqueren.
Als
Ausgangspunkt für die argentinische Route bieten sich die
Thermalquellen von Azufre an. Wer die chilenische Route wählt,
benötigt nur die üblichen Papiere wie Pass und Fahrzeugdokumente.
Einige Kilometer vor der Grenze sprudeln, eingekesselt zwischen
den Flanken des Teno-Tals, auf sattgrünen Weiden die Thermalquellen
San Pedro (mit Campingmöglichkeit). Für den hier beschriebenen
Aufstieg lassen wir unser Fahrzeug genau am Grenzstein stehen
und beginnen die Tour.
Gebühren
Keine.
Tag
1 (5-6 Std.)
Zunächst
gilt es, die nördlichste Stelle des vor uns liegenden Vulkans
Planchón anzupeilen und dabei ein sumpfiges Weidegebiet
zu queren. Auf dessen Westseite stoßen wir auf einen Weg,
der genau auf den Sattel oberhalb der Laguna Teno führt;
bis hierher sind es etwa anderthalb Stunden Aufstieg. Im Hintergrund
des blau schimmernden Sees zeichnet sich Chiles zweitgrößtes
Gletschergebiet rund um den Cerro Palomo ab. Bis spät in
den Sommer hinein sind die Bergflanken bis hinunter zum See mit
Schnee bedeckt; meterdick zusammengepresste Abbrüche schwimmen
als Eisberge im Wasser.
Zunächst
noch deutlich sichtbar, schlängelt sich der Pfad in südlicher
Richtung dem Gipfel des Planchón entgegen und knickt weit
oberhalb des Sees in Richtung Westen ab. Tief eingeschnittene
Schluchten (Quebradas) erschweren das Vorankommen, zudem verliert
sich der Weg des öfteren im Weidegebiet weit unterhalb des
Berghangs. Auf keinen Fall jedoch ins Tal des Río Claro
absteigen! In der Nähe der Quebradas finden sich immer wieder
flache Stellen zum Zelten. Bis hierher ist mit weiteren vier Stunden
Wanderzeit zu rechnen.
Tag
2 (4-6 Std.)
Die
Rücken zwischen den Quebradas führen alle den Hang hinauf
zum Gipfelbereich. Bereits von unten erkennen wir vier markante
Spitzen. Wir wählen den Rücken, der genau zur Mitte
führt, und erreichen nach etwa vier Stunden harter Kraxelei
die Krater des Peteroa. Im vorderen, dem der Gletscher dicht aufsitzt,
schwappt Schwefelsäure. Vorsicht, der Rand ist extrem brüchig,
nicht zu nahe treten! Bei schönem Wetter helfen südliche
und westliche Winde, die giftigen Rauchschwaden des Kraters nach
Osten zu blasen, so dass man sich von der anderen Seite bis an
den Rand vorwagen kann.
Wir
umrunden den Vulkanschlund auf der Südseite und steigen östlich
des Kamms einige hundert Höhenmeter ab. Hier findet sich
unterhalb der Schneegrenze eine dürftige Möglichkeit,
das Zelt aufzustellen.
Alternative:
Richtung Süden die höchste Stelle der Caldera des Peteroa
erklimmen, den brüchigen Gipfel auf Eis etwas unterhalb davon
umrunden und weiter nach Süden zum Sattel zwischen Peteroa
und Azufre absteigen. Von hier aus kann man am nächsten Tag
den Azufre besteigen. Das bringt allerdings eine Nacht auf dem
Gletscher mit sich - oder eine Megatour mit Auf- und Abstieg am
selben (heutigen) Tag. Bei Schlechtwetter raten wir, sofort abzusteigen.
Die dabei auftretenden Nordwinde würden die Schwefeldämpfe
vom Krater genau zu uns herüberwehen.
Tag
3 (Gipfelbesteigung: 7 Std.)
Von
unserem Camp unterhalb des Peteroa aus führt der Weg auf
den Azufre zunächst zu dessen Gletscher. Gleich daneben (etwas
weiter links) schießen kleine Wasserfälle ins Tal.
Der Einstieg auf den unteren Teil des Gletschers ist mit ca. 50
Grad Neigung relativ steil, jedoch nur auf einem kurzen Stück.
Gleich oberhalb dieser steilen Abbruchkante geraten wir in einen
Bereich mit riesigen Gletscherspalten. Den mehrere hundert Meter
hohen Felsen, der uns vom Gipfel trennt, umrunden wir südwärts
im unteren Bereich. (Die nördliche Umrundung führt zu
einer nicht passierbaren Gletscherspalte.) Auf der Rückseite
des Felsens geht es weiter nach oben.
Die
weitere Route ist nun leicht ersichtlich. Sie führt über
eine steile Flanke zum flachen Kamm hinauf und auf diesem bis
zum Gipfel selbst (4100 m). Je nach Jahreszeit bilden sich hier
hohe Zacken von Büßerschnee, die das Gehen erschweren.
Der Aufstieg dauert unter normalen Umständen etwa vier Stunden,
der Abstieg zum heutigen Ausgangspunkt zwei bis drei Stunden.
Das Wetter ist uns hold, und wir erkennen vom Gipfel aus mehrere
der andernorts beschriebenen Ziele wie Alto del Padre, Descabezado
Grande und den weit im Süden aufragenden Longaví.
Wer
will, kann heute noch bis zum ersten Camp absteigen (3-4 Std.)
und nach einer übernachtung am nächsten Tag den gleichen
Weg zum Ausgangspunkt zurückgehen (4-5 Std.).
Alternative:
Vom zweiten Camp gehen wir östlich des Vulkankomplexes Richtung
Norden, bleiben dabei immer auf Höhe, überqueren mehrere
Quebradas und sehen bereits nach zwei bis drei Stunden die Laguna
Teno. Auf diese zusteuernd, steigen wir ab und erreichen den Pfad,
den wir bereits vom Aufstieg her kennen (ca. 1 Std.).
Wer
nach Argentinien zu den Termas de Azufre absteigt, benötigt
auf alle Fälle den eingangs beschriebenen Salvoconducto und
den Ausreisestempel der Polizei von Los Queñes. Selbst
die in der Alternative beschriebene Umrundung des Massivs führt
teilweise durch argentinisches Gebiet.
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