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Trekking - Cerro Palomo

Palomo (4865 m)

Der Große Unbekannte

Südlich des Nationalparks Río Cipreses befindet sich das zweitgrößte Gletschergebiet Chiles. Fast nicht besucht, bietet es den wenigen Insidern faszinierende Landschaften, die ohne Zweifel zum Feinsten zählen, was Südamerika zu bieten hat! Unzählige Granittürme ragen aus dem Eis, viele noch unbestiegen und landschaftlich ohne weiteres mit dem Fitz-Roy-Massiv zu vergleichen. Kilometerlang ziehen sich die Gletscherzungen in die Täler hinab, in denen Guanacos weiden. Inmitten dieses wilden Gebiets ragt mit 4865 m der vergletscherte Vulkan Palomo auf.

Technisch ist die Tour nicht besonders anspruchsvoll, doch wegen der langen Strecke von ca. 80 km hin und retour eine körperliche Herausforderung. Wir empfehlen daher auf alle Fälle den Gepäcktransport auf Maultieren, was auch die teilweise schwierigen Flussquerungen sicherer gestaltet. Der Palomo lässt sich von mehreren Seiten her besteigen. Hier wird die Südroute mit Zustieg über den Río Azufre vorgestellt, da sich dieser leicht mit öffentlichen Verkehrsmittel erreichen lässt. Die Route beinhaltet keine Kletterpassagen, die nötigen Kenntnisse zur Spaltenbergung sind jedoch Voraussetzung.

Ausgangspunkt

San Fernando

Anreise

Von San Fernando, einer Kleinstadt 140 km südlich von Santiago, fahren in der Saison täglich Busse zu den Termas del Flaco (Buses Amistad Tel. 710348, Buses Rutamar Tel.723400), Preis 10 USD hin und retour. Mo-Sa fahren die Busse vormittags nur runter und nachmittags nur hoch, So umgekehrt. Nach 2 Stunden Fahrzeit steigen wir bei der Brücke am Río Azufre aus.

Tag 1

Wir überqueren die kleinere Hängebrücke unterhalb des Zusammenflusses des Río Tinguiririca mit dem Río Azufre. Eine kleine Heiligenstatue ziert den großen Fels auf der anderen Seite der Brücke, nur wenige Meter davon entfernt entspringt eine kleine Quelle mit Trinkwasser direkt aus dem Berghang. Hundert Meter flussabwärts erkennen wir eine Hütte. Für die Tour sollten wir bei Don Eduardo "Lulo" Rivadeneira um Erlaubnis bitten, sein Grundstück zu betreten.

Ideal für die Tour ist der Gepäcktransport auf Pferden, was hier problemlos organisiert werden kann. Einige Flussquerungen stellen ohne Pferde abhängig von der Jahreszeit eine große Herausforderung dar. Gleich oberhalb der Hütte errichten wir unser erstes Camp im Schatten der Bäume. Vorsicht, einige davon sind Litres, welche allergische Reaktionen auslösen können.

Tag 2 (6 h, 684 m 321 m)

Im unteren Bereich der Route beginnen wir früh, um die Hitze des Tages zu meiden. Vom Camp führt ein deutlicher Pfad oberhalb des Flusses entlang. Schon nach wenigen Metern zweigt ein weiterer nach links ab. Wir bleiben auf dem Hauptweg, welcher schon bald zum Río Helados führt. Hier liegt entweder eine improvisierte, leiterartige Brücke neben dem Bach, oder dieser muss mit Sandalen durchquert werden.

Auf der anderen Seite setzt sich der Weg deutlich sichtbar fort. Er folgt in ständigem Auf und Ab dem Westufer des Río Azufre. Erst etwa 2 Std. nach Verlassen des Camps treffen wir wieder auf einen Bach mit frischen Trinkwasser. Nach weiteren 2,5 Stunden erreichen wir eine der schönsten Stellen der Tour: Tief eingeschnittene Täler, umsäumt von hohen Basaltsäulen, treffen hier zusammen. Tricahues (Papageien) nisten in Höhlen des Sandgesteins, und Bergzypressen säumen die Schluchten. Die gegenüberliegende Flussseite wird vom Vulkan Tinguiririca überragt. Kurz danach erreichen wir eine kleine Hütte namens "Los Negros", die den Arrieros (Viehhirten) Unterkunft bietet.

Etwas weniger als 1 Std. später müssen wir den Río Santa Elena überqueren, welcher bei unserer Tour etwa 70 cm tief und recht reißend war. Von hier sind es nurmehr 10 min bis zum Camp Chacaye, einem schönen schattigen Platz unter zwei riesigen Birnenbäumen. Gleich neben den Bäumen, auf der anderen Seite eines Pferchs, entspringt eine kleine Quelle.

Tag 3 (7 h, 1062 m 125 m)

Wir folgen etwa 30 min lang dem Weg, verlassen diesen dann und gehen hinunter zum Flussufer. Hier fließen der Río Portillo und der Río San José (in Karten auch als Río San Andrés bezeichnet) zum Río Azufre zusammen. Wir müssen den westlich zufließenden Río Portillo überqueren, wobei uns die Pferde zupass kommen. Dabei sollte man den Fluss auf alle Fälle morgens queren, da er zu dieser Zeit weniger Schmelzwasser führt. Zu Fuß ist dies nur Könnern mit Seilsicherung zu empfehlen, die Strömung ist sehr stark und das Wasser tief. Laut Aussage der Arrieros ist der Río Portillo stromaufwärts leichter zu queren.

Der Weg führt nun den Berghang hoch, setzt sich oberhalb des Rückens fort und verliert sich dort in vielen Spuren. Einfach östlich wieder bergab gehen, links des kleinen Wäldchens am Nordufer des Río San José. An dem Los Lunes genannten Flecken gedeihen südamerikanische Pfaffenhütchen (Maitén) und Lunes-Bäume (Escalonia). Hier finden wir auch Quellen und einige Stellen zum Campen. Vom Camp 2 bis hierher sind inklusive Flussquerung etwa 1,5 h zu rechnen, wobei nochmals 209 m und 90 m zu überwinden sind.

Der Weg verliert sich nun immer wieder bis hinauf zum nächsten Camp an der Gletscherzunge. Wir bleiben dabei immer auf der Nordseite des Río San José zwischen Flussufer und dem nahe liegenden Berghang. Die Strecke führt immer leicht bergauf und bergab über grobes Geröll bis zur Endmoräne, welche wir nach ca. 3 h erreichen. Hier können wir auch unseren Wasservorrat auffüllen. Von Los Lunes bis zur Moräne sind 451 m und 25 m zu überwinden.

Der anstrengende Teil kommt erst jetzt und führt über den groben Schotter der Moräne nach oben. Dabei halten wir uns in der Nähe des Flusses und steigen nicht den von Norden kommenden Bach hoch. Der steile Aufstieg flacht bald ab und führt nun über grobes Geröll weiter. Nach 2-3 Std. erreichen wir Camp 3 am Ufer der flachen Lagune am Fuß des Gletschers. Dazu sind weitere 402 m und 10 m zurückzulegen. Bis hierher können Arrieros das Gepäck auf Pferden transportieren. Alle Wanderzeiten bis zu Camp 3 basieren nur auf Tagesgepäck.

Tag 4 (Ruhetag)

Die Umgebung des Camps ist besonders schön. Die Wanderung zum Gletschertor mit seinen riesigen Eisbrocken sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Von hier aus kann man entlang eines Bachs zur südlichen Seitenmoräne hochsteigen. Auf der anderen Seite liegt überaus idyllisch ein großer See.

Gleich gegenüber dem Camp, auf der anderen Seite des Flusses, erhalten wir einen tollen Ausblick auf die gewaltige Gletscherzunge bis hinauf zum Gipfel des Palomo. Dazu muss allerdings der eiskalte Fluß durchwatet werden. Auf der anderen Seite einfach den Hang hinaufsteigen, zu einigen Stellen mit Grasbewuchs am Hang.

In der Nähe des Camps halten sich auch des öfteren Guanacos und Andengänse auf, vielfach sieht man auch Kondore ihre Kreise ziehen.

Tag 5 (5 h, 755 m 31 m)

Wir folgen etwa 45 min lang der Nordseite der Lagune, welche an der Endmoräne des Gletschers endet. An deren unterem Teil steigen wir das mit grobem Geröll bedeckte Eis hinauf. Schon nach weiteren 45 min erreichen wir blankes Eis. Die Gletscherzunge Ventisquero Universidad führt zuerst mehr nordöstlich und biegt dann stark nach Norden ab. Dabei müssen ein Serac umgangen und viele tiefe Spalten überwunden werden. Oberhalb des Serac schlagen wir am Westrand des Gletschers Camp 4 auf.

Tag 6 (4 h, 567 m 5 m)

Die heutige Etappe führt zunächst recht mäßig ansteigend (etwa 300 m) hinauf zu einem Steilhang unterhalb des Palomo. Dann geht es den steilen Hang in Serpentinen hoch. Auf 3820 m erreichen wir das obere Ende, und vor uns breitet sich eine große Ebene zu Füßen des Berges aus. Links davon, direkt an einem einzeln stehenden Bergpfeiler, finden wir eine windgeschützte Stelle für das Camp 5.

Tag 7 (8 h, Aufstieg 1049 m 41m)

Gipfelsturm! Wir queren etwas über 1 Std. lang die Ebene, immer den Bergpfeiler entlang, bis zum Serac und steigen insgesamt 220 m links davon hoch bis auf 4040 m. Oberhalb des Serac queren wir hinüber zum Berg und erreichen nach weiteren 45 min einen herunter führenden Felsstreifen aus Lavagestein auf 4100 m. Nun geht es bereits recht steil in Serpentinen den Gletscher hoch bis zu einer Plattform unmittelbar unterhalb des Gipfelaufbaus auf 4600 m (2 Std.). Die Plattform trägt zur typischen Form des Vulkans bei und ist schon von weitem zu erkennen.

Von hier sind es noch 1,5 Std. steilen Aufstiegs bis zum Gipfel auf 4865 m. Das Gipfelbuch ist von einem Steinhaufen bedeckt. Viele Eintragungen sind freilich nicht zu erwarten, was sicherlich den Reiz dieser Tour ausmacht.

Zwei Faktoren können den Gipfeltag erschweren. Zum einen bilden sich hier im Laufe des Sommers schwer zu überwindende Zapfen von Büßerschnee. Zum anderen weicht der Schnee nachmittags stark auf und man kann bis zur Hüfte einsinken. Wir brauchten für den Rückmarsch vom Gipfel zum Camp 5 weitere 4 h.

Tag 8 (5 h)

Abstieg bis zu Camp 3.

Tag 9 (5,5 h)

Abstieg bis Camp 2. Wir benutzten wieder Mulis für den Gepäcktransport.

Tag 10 (6 h)

Abstieg bis Camp 1.

Descabezado Grande
Im zweitgrößten Gletschergebiet Chiles

 

 

Bimssteinwüste
Einsame Wanderung

 

 

Camp
Gipfelblick

 

 

Adventure Handbook Central Chile

 

 

El Caminante