Gruppe Condoriri
Einer der ersten Besucher der westlichen Hemisphäre war der britische
Bergsteiger Martin Conway, Erstbesteiger des Illimani. Er berichtete von unzähligen
Kondoren in diesem Gebiet, was heute leider nicht mehr der Fall ist. Auffällig ist
die Condoririgruppe allerdings ohnehin. Bereits bei der Anfahrt von La Paz erkennt
man schon von weitem den stark vergletscherten Zentralpfeiler des Condoriri. Dieser
erhebt sich über die umliegenden Gipfel, flügelförmig breiten sich die West- und
Ostflanke daneben aus. Westlich davon befindet sich der Aussichtsberg Pico Austria.
Ein leichter Aufstieg auf diesen lässt einem die Königskordillere und das Altiplano
mit dem Titicacasee überblicken. Der Pequeño Alpamayo liegt versteckt hinter dem Pico
Illusion und dem Tarija. Selbst beim Anmarsch ins Basislager zeigt er nur die Spitze
des wunderschönen Eisberges. Eines der schönsten Bergziele der ganzen Königskordillere.
Nach einem kurzen Anmarsch zum wunderschön gelegenen Camp an der Laguna Chiar Khota
bieten sich mehre Gipfeltouren an. Drei, anhand ihrer unterschiedlichen Anforderungen
ausgewählte Berge, führen wir hier an.
Anfahrt
Von La Paz aus nehmen wir die Straße Richtung Tiwanaku bzw. Copacabana. Über
Patamanta gelangen wir nach insgesamt etwa 2 Stunden zur Siedlung Tuni, unterhalb
des gleichnamigen Stausees gelegen. Es führen keine öffentlichen Fahrzeuge hierher.
Ein Taxi kostet ca. 50 USD für die Fahrt. In Tuni stehen Mulis und Lamas für
wenige Dollar zum Gepäcktransport ins Camp zu Verfügung.
Anmarsch zum Basislager
Vom Ort Tuni auf 4400 m aus führt eine Piste einige Meter hoch zum See, umrundet
diesen westlich und endet am Beginn des Taleinschnittes. Hier überqueren wir den
Bach und wandern den Hang des östlich gelegenen Pico Mirador einige hundert
Höhenmeter bergauf. Der Weg ist nicht zu übersehen und führt nun nur mehr
leicht ansteigend oberhalb des ersten See vorbei zur Laguna Chiar Khota auf
4680 m. Wir umrunden diesen auf seiner Südseite und schlagen am Fuße des
Condoriri das Camp auf. Hier befindet sich ein Campwärter, der für den
Müllabtransport ein kleines Entgeld verlangt. Bereits der Anmarsch ist
mit seinen Blicken auf das Gebirge und den See die Tour wert. Etwas oberhalb
des Lagers befinden sich einige Plumbsklos und an manchen stellen wurden
Steinmauern als Windschutz errichtet. Zum Kochen nicht das Wasser aus dem
See verwenden. Dazu steht eine eigens dafür errichtete Wasserleitung zu Verfügung.
| Tuni |
S16°14.597´ |
W068°14.514´ |
5,5 km |
| Camp |
S16°11.657´ |
W068°14.436´ |
|
Pico Austria
Der Pico Austria kann schon beim Transkordilleratrek bei der Überquerung
von Hichukhota zur Laguna Chiar Khota vom Pass aus leicht bestiegen werden. Beim
Anmarsch zum Camp zeigt er sich mit seiner Pyramidenform, als westlicher Ausläufer
der Condoririgruppe, von seiner schönsten Seite. Als Trekkingberg mit Leichtsteigeisen
im oberen Bereich dient er nicht nur mit seiner Höhe von 5360 m ideal zur
Höhenanpassung, sondern bietet sich vor allem als wunderschöner Aussichtsberg an.
Aufstieg
Wir verlassen das Camp, steigen durch die Moräne hoch Richtung Condoriri und
umrunden dabei nördlich die Lagune. Etwas oberhalb zweigt ein Weg westlich ab
und führt nun hoch zum leicht erkennbaren Pass zwischen dem Condoriri und dem
Pico Austria. Wir erreichen diesen auf 5160 m hoch gelegenen Pass nach einem relativ
leichten Anmarsch von ca. 2,5 Stunden. Bereits vom Pass aus haben wir herrliche
Ausblicke. Südlich von uns zieht sich nun der Hang hoch zum Gipfel. Dieser ist
oft bis zum Pass hinunter mit Schnee bedeckt. Mit Leichtsteigeisen und je nach
Bedingung angeseilt, steigen wir in einer weiteren Stunde hoch zum Gipfel auf 5360
m. Für den Abstieg müssen nochmals etwa 2 Stunden eingerechnet werden.
| Pass |
S16°11.176´ |
W068°15.331´ |
1,8 km |
| Gipfel |
S16°11.406´ |
W068°15.452´ |
0,5 km |
Pequeño Alpamayo
Einer der schönsten Grataufstiege in der Königskordillere mit aussergewöhnlich
schönen Ausblicken vom Gipfel. Alleine der Anblick des schön geformten Berges ist schon
die Bergfahrt wert. Die Tour ist bereits anspruchsvoller, führt sie doch über Gletscher
mit Spaltengefahr, auf oft vereisten Hängen und teilweise sehr steilem Gelände. Sichere
Kenntnisse von Spaltenbergung und Eistechnik sind Voraussetzung der Tour.
Aufstieg
Vom Camp aus erkennen wir schon den Gletscher, der östlich des Condoriri zwischen dem
Wyoming und der Illusion seine Zunge zum Tale streckt. Ein Pfad führt leicht ansteigend
über Hartgräser und Bofedales zum milchigen Gletschersee. Etwas oberhalb verzweigt sich
der Weg. Wir steigen rechts vom Gletscher an der Seitenmoräne hoch. Nach etwa 2 Stunden
endet der Pfad am Gletscher, wo wir uns anseilen und Steigeisen anlegen. Sanft ansteigend
führt der Gletscher hoch zum Sattel. Vosicht - Spaltengefahr auf der ganzen Strecke!!!
Vom Sattel aus steigen wir weiter westlich hoch zum kuppenförmigen Gipfel der 5370 m
hohenTarija. Der Aufstieg bis hierher dauert etwa weitere 2-3 Stunden. Der schöne
Gipfelaufbau des Pequeño Alpamayo liegt nun vor uns. Wir müssen etwa 2 Seilängen
zum Sattel zwischen unserem Ziel und der Tarija absteigen und zum Grat
des Berges rüberqueren. Steil und oft vereist führt dieser hoch zum Gipfel auf 5460 m, welchen
wir nach weiteren 1-2 Stunden erreichen.
| Gletschereinstieg |
S16°11.039´ |
W068°13.609´ |
| Tarija |
S16°10.367´ |
W068°13.044´ |
| Gipfel |
S16°10.294´ |
W068°12.814´ |
Condoriri
Durch seine Kondorform nicht zu verwechseln, liegt der Berg wunderschön gelegen
an der Lagune Chiar Khota. Die von uns vorgestellte, anspruchsvollste Tour, erfordert
fundierte Kenntnisse im gemischten Gelände. Sicherungen müssen in Schnee und eventuell
auch Eis gesetzt werden. Bei geringer Schneelage machen vereiste Felsplatten entlang
des Gipfelgrates den Aufstieg risikoreich. Als Hauptziel der meisten Bergsteiger,
innerhalb der Condoririgruppe, lässt sich dieser landschaftlich wohl kaum mehr überbieten.
Aufstieg
Vom Camp aus führt der Pfad durch steiniges Gelände, direkt hoch zum Berg. Unterwegs
markieren Steinmännchen die Route. Auf Höhe der Gletscherzunge erreichen wir eine breite
Schuttrinne, welche sich durch das große Felsband westlich der Gletscherzunge befindet.
Ein mühsamer Aufstieg führt den Schutt hoch bis zur oberen Kante des Felsbandes. Bis
hierher müssen etwa 3-4 Stunden kalkuliert werden. Nun führt der Aufstieg weiter über
den Gletscher zur Ostflanke der Condoriripyramide. Wir steigen die steile Flanke hoch
zur Scharte des Gipfelgrates. Diesen nun immer entlang, um nach weiteren 3-4 Stunden den
Gipfel zu erreichen. Da die Tour je nach Kondition oft bis zu 12 Stunden beansprucht,
sollte ein Camp am unteren Teil des Gletschers in Betracht gezogen werden. Eine weitere
Auftstiegsroute führt hoch zum Pass mit dem Pico Austria und von hier über den Gletscher
zum Gipfelaufbau.
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