Aconcagua
(6959 m)
Der
König Amerikas
Der
Aconcagua ist sicher nicht der schönste Berg Südamerikas,
und mit über 4000 Bergsteigern pro Saison überschreitet
er auch die Grenze des Erträglichen, aber er ist und bleibt
- trotz einiger Versuche, dies zu widerlegen - der höchste
Berg Amerikas.
Der
Berg und die hier beschriebene Normalroute liegen zur Gänze
auf argentinischem Territorium, wo auch persönlich das Permit
besorgt werden muss. Wegen der geografischen Nähe zum Aconcagua
wird überwiegend der internationale Flughafen von Santiago
de Chile als Anreisepunkt verwendet, weshalb die Tour Platz auf
dieser Homepage findet.
Die
Besteigung kann ohne Probleme vor Ort organisiert werden, oder
man nutzt das Angebot professioneller Veranstalter. Unter normalen
Umständen kann die Tour durchaus als Trekking in extremen
Höhen bezeichnet werden. Je nach Wetterlage kann sie sich
jedoch sehr schnell in ein arktisches Fiasko mit extremen Stürmen
verwandeln. Dieser Faktor und die Auswirkungen akuter Höhenkrankheit
werden ständig unterschätzt und verursachen jährlich
Tragödien und amputierte Gliedmaßen.
Als
Akklimatisationstouren bieten sich leicht zu organisierende Besteigungen
wie Cerro Plomo, Marmolejo oder San
José rund um Santiago an. Zusätzlich sollten am
Aconcagua selbst einige Auf- und Abstiege mit tiefer gelegenen
Nächten und Ruhetagen, möglichst im Basislager, durchgeführt
werden. Die Auf- und Abstiege kann man sinnvoll zum Materialtransport
in höher gelegene Lager nutzen.
Der
Aconcagua wurde zuerst 1897 von dem Schweizer Bergführer
Matthias Zurbriggen bestiegen. Eine polnische Gruppe erreichte
1934 erstmals den Gipfel über das Vaca-Tal und den mittlerweile
sehr beliebten Polacos-Gletscher. Die größte Herausforderung
barg die 3000 m hohe Südwand, welche 1954 von einer französischen
Gruppe bezwungen wurde.
Als
lohnendes Ziel für ein 2- bis 3-tägiges Trekking oder
einen langen Reittag, ausgehend von Puente del Inca über
das Lager Confluencia, bietet sich die gewaltige Aussicht auf
die Südwand an.
Die
hier beschriebenen Tageseinteilungen stellen nur Etappen vor,
die je nach Akklimatisationsgrad, Kondition und Interessen miteinander
kombiniert werden können.

Ausgangspunkt
Santiago
Permit
Abhängig
von der Saison wird für die Besteigung eine Gebühr von
80 bis 200 USD pro Person und für ein Trekking von 20 bis
40 USD pro Person
verlangt. Diese muß persönlich im Büro der Subsecretaría
de Turismo (Parque Gral San Martín, Avda. de los Robles
y Rotonda Rosedal, Montag – Freitag 8.00 - 18.00 Uhr) bezahlt
werden. Dazu muss ein Formular mit persönlichen Daten ausgefüllt,
eventuell eine Versicherung vorgezeigt und eine Kontaktadresse
für Notfälle angegeben werden.
Anreise
Mehrere
Busunternehmen verbinden Santiago mit Mendoza (7 Std., mehrmals
täglich ab Terminal Santiago und Terminal Los Héroes).
Beim Grenzübertritt in beiden Richtungen dürfen keinerlei
verderbliche oder unverpackte Lebensmittel mit sich geführt
werden. Mietautos bedürfen bei Grenzübertritt einer
notariellen Erlaubnis des Vermieters.
Nach
Erledigung der Formalitäten und Einkäufe in Mendoza
kann man mit den gleichen Unternehmen oder mittels einer organisierten
Tour Puente del Inca, den eigentlichen Ausgangsort der Besteigung,
erreichen. Puente del Inca liegt etwa auf halber Strecke zwischen
Santiago und Mendoza und verfügt über verschiedene Unterkünfte
und Restaurants. Alternativ bieten sich das etwa 10 km östlich
liegende Skizentrum Los Penitentes oder der Campingplatz am Parkeingang
an.
Tag
1
Puente del Inca – Confluencia (3-4 h, 460 m
80 m )
Verschiedene Unterkünfte und Packtieranbieter organisieren
den Transfer von Puente del Inca zum Parkeingang. Alternativ führen
Trampelpfade nordwestlich der Straße in 1-2 Stunden mit
etwa 150 m
zum Startpunkt. Hier befinden sich ein Campingplatz und das Gebäude
der Parkwächter. Die Kontrollstelle ist gleich daneben in
einem Zelt untergebracht. Hier erhält jeder Besucher nummerierte
Müllbeutel, welche im Permit eingetragen werden. Beim Verlassen
des Parks muss entweder der Müllsack mit sich geführt
werden, oder die Gepäcktransportfirma bestätigt per
Unterschrift im Permit den Abtransport des Abfalls per Maultier.
Verstöße werden mit einer Strafe von 100 USD geahndet.
Die
angegebenen Wanderzeiten bis zum Basislager Plaza de Mulas entsprechen
dabei einem normalen Tempo mit leichtem Tagesrucksack. Vom Parkeingang
führt eine Piste vorbei an der Laguna Horcones zur ersten
Brücke über den Río Horcones, welche wir zu Fuß
in einer halben Stunde erreichen. Der Aconcagua selbst ist nur
anfangs vom Parkeingang aus sichtbar und versteckt sich dann hinter
der steilen Talflanke. Wir queren die Brücke und folgen dem
stark ausgetretenen Pfad, nun östlich des Río Horcones.
Nach weiteren 2–3 Stunden erreichen wir die zweite Brücke.
Diese führt über das Schmelzwasser des Gletschers Horcones
Inferior, der von der Südwand des Aconcagua herabstößt.
Noch vor der Brücke führt ein Pfad flussabwärts
zum bereits sichtbaren Camp Confluencia auf 3370 m. Der Name des
Camps rührt vom "Zusammenfluss" des Baches mit
dem Río Horcones her.
An
einem Extratag kann man von hier aus die landschaftlich wohl lohnendste
Wanderung im Aconcagua-Gebiet, die erwähnte Tour zur mächtigen
Südwand des Berges, unternehmen. Ein deutlich sichtbarer
Pfad führt dazu von der Brücke weg östlich des
Baches hinauf Richtung Plaza Francia auf 4200 m (etwa 3 Stunden).
Ausgezeichnete Ausblicke eröffnen sich jedoch schon weit
vorher.
Gut
höhenangepasste Bergsteiger können, Materialtransport
auf Mulas vorausgesetzt, das Basislager Plaza de Mulas an einem
langen Tag erreichen. Für diese Megatour von etwa 35 km Länge
mit 1560 m
und 200 m
sollten bei nur leichtem Gepäck mindestens 9 Stunden veranschlagt
werden.
Tag
2
Confluencia – Plaza de Mulas (4-6 h, 1100 m
120 m )
Wir queren die Brücke und steigen die westliche Talseite
hoch. Schon bald erreichen wir das breite, mit grobem Flussgeröll
bedeckte obere Horconestal, welches sich scheinbar ewig nur flach
ansteigend Richtung Nordwesten zieht. Das scheinbare Talende wird
vom 5018 m hohen Cerro Dedos abgeschlossen, welchen wir nach etwa
3-4 Stunden erreichen.
An
seinem Fuß auf etwa 3800 m müssen wir den Bach Richtung
Osten queren, was je nach Jahreszeit für manche Wanderer
die erste Hürde darstellen kann. Wir verlassen nun das Tal
und steigen auf dieser Seite des Baches den Talhang hoch. Der
stark ausgetretene Pfad führt in 2-3 Stunden hinauf zu einem
zerfallenen Refugio auf etwa 4000 m.
Nun
beginnt der letzte steile Aufstieg, welcher sich in 1-2 Stunden
serpentinenförmig hochzieht zur Plaza de Mulas auf 4260 m.
Das Lager ist eine kleine Stadt mit teilweise hunderten von Zelten:
Bierzelte, Internetzelte, Toiletten und heiße Duschen, Erste
Hilfe, Bergrettung, Nationalparkwächter, Bergführer
und gleich in der Nähe die riesige Herberge Refugio Plaza
de Mulas. Dazu ein vielsprachiges Gewirr von Bergsteigern aus
aller Welt. Wer nicht mit einer organisierten Tour oder per Mulitreiber
das Basislager erreicht hat, muss 20 USD für die Benutzung
von Duschen und Toiletten entrichten. Trotz der großen Anzahl
an Touristen besteht kein Platzmangel, das gleiche gilt für
das nächste Lager Nido Cóndores.
Tag
3
Plaza de Mulas – Nido Condores (7-9 h, 1120 m )
Es ist anzuraten einen Ruhetag einzulegen. Zusätzlich sollten
mehrere Tagestouren zum Akklimatisieren unternommen werden. Diese
können verwendet werden, um Depots in den nächsten Lagern
zu errichten. Gut akklimatisiert steigen wir weiter auf und errichten
unser nächstes Lager am Nido Cóndores, dem "Kondor-Horst"
auf 5380 m. Bei guter Witterung stellt die Orientierung weiterhin
kein Problem dar, dafür sorgt schon allein die Zahl der Gipfelanwärter.
Vom Basislager führt der Weg im Zickzack den Hang hoch, mit
Blick auf den Gipfelaufbau des Aconcagua. Nördlich liegt
der stark vergletscherte Cerro Cuerno mit seinen 5462 m vor uns.
Nach
etwa 3 Stunden erreichen wir die markanten Piedras Conway auf
etwa 4630 m. Weiter oberhalb befindet sich auf 4910 m das Camp
Canadá, welches nur für relativ wenige Zelte Platz
bietet. Es bietet sich an, weitere 4-6 Stunden zum wesentlich
größeren Camp Nido Cóndores auf 5380 m aufzusteigen.
Einige
hundert Meter entfernt befindet sich ein kleines Wasserloch mitten
im Schnee, alternativ muss geschmolzen werden. In den letzten
Jahren sind gut akklimatisierte Bergsteiger immer häufiger
von Nido Cóndores aus direkt auf den Gipfel gestiegen.
Der Vorteil liegt natürlich darin, keine kräfteraubenden
Nächte im Höhenlager verbringen und keine Ausrüstung
weiter hochschleppen zu müssen. Andererseits ist es nicht
jedermanns Sache, an einem extrem langen Tag 1600 Höhenmeter
in dieser ohnehin gewaltigen Höhe zurückzulegen.
Tag 4
Nido Condores – Refugio Berlín (3-4 h, 400 m )
Als weitere Etappe steht, nur für ausgezeichnet Akklimatisierte,
der Aufstieg zum Refugio Berlín auf 5780 m bevor. Von Nido
Cóndores führt der Pfad weg, anfangs nur leicht ansteigend.
Schon nach etwa 1 h beginnen bereits anstrengende Serpentinen
durch teilweise loses Geröll. Die Biwakschachtel namens Berlin
ist erst im letzten Moment sichtbar.
Einige
Meter vorher befinden sich zweiweitere, wesentlich kleinere Biwakschachteln
neben einem kleinen Gipfelkreuz und mit herrlicher Aussicht auf
das nördlich liegende Ramada-Gebirge. Viele steigen gleich
weiter auf bis zum Camp Piedras Blancas auf 6030 m. Dabei sollte
aber bedacht werden, dass bei Schlechtwetter die Schachtel ausgezeichnet
Schutz bietet.
Tag 5
Gipfelsturm (mind. 8 h Aufstieg 1200 m
1200 m )
Verschiedentlich wurde der Berg bereits mit Turnschuhen bestiegen,
selbst Gipfelfotos im T-Shirt sind bekannt, und dennoch verunglücken
jährlich Menschen am Aconcagua. Ein Wetterumschwung, und
schon fällt die Temperatur auf minus 30 Grad. Schnee ist
dann selbst im Basislager auch im Sommer nicht auszuschließen.
Die größte Gefahr besteht freilich durch Erschöpfung,
Kälte und Höhe im Gipfelbereich. Bricht man bereits
in den Nachtstunden auf, kann die Temperatur in Verbindung mit
starkem Wind gefährlich niedrig liegen. Gletscher werden
auf der Normalroute nicht gequert, so dass ein zeitiger Aufbruch
nicht nötig ist, zumal es im Sommer bis etwa 21 Uhr Tageslicht
gibt. Einzig das oft ab den Mittagsstunden einsetzendende Schlechtwetter
erfordert einen rechtzeitigen Aufbruch. Am besten trifft man diese
Entscheidung nach genauer Beurteilung der Gegebenheiten vor Ort.
Nach
250 Höhenmetern passieren wir das Camp Piedras Blancas auf
6030 m. Auf 6400 m befindet sich das am höchsten gelegene
Camp Independencia. Ab hier muss der Aufstieg wegen starker Winde
oft abgebrochen werden. Die Route verläuft nun südlich
und führt unterhalb des Gipfels vorbei zu einer markanten
Geröllrinne, der Canaleta. Mühsame 250 Höhenmeter
führen zum Verbindungsgrat zwischen Nord- und Südgipfel.
Wir folgen diesem Rücken nach Norden, passieren eine kurze
Kletterstelle Grad I-II und erreichen das Gipfelplateau mit dem
heiß ersehnten Gipfelkreuz. Der Abstieg erfolgt über
die gleiche Route.
Tag 6
Abstieg Basislager (4-5 h)
Tag
7
Abstieg
Puente del Inca (7 h)
Karte zur Tour
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